C. Loewe: Das Sühnopfer des neuen Bundes

St. Martin Freiburg (S. Dreher)
St. Martin Freiburg (Foto: S. Dreher)

Sonntag, 31. März 2019, 17 Uhr

Freiburg, Kirche St. Martin (am Rathausplatz)

Programm

Carl Loewe (1796–1869):
Das Sühnopfer des neuen Bundes
Passions-Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift gedichtet von Wilhelm Telschow,
für gemischten Chor, Streichquintett bzw. Orgelbegleitung

Die Ausführenden sind:

Die Heinrich-Schütz-Kantorei Freiburg
Leitung: Cornelius Leenen

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Texte

Carl Loewe: Das Sühnopfer des neuen Bundes

Passions-Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift gedichtet von Wilhelm Telschow, für gemischten Chor, Streichquintett bzw. Orgelbegleitung

Erster Teil

Einleitung. In Bethanien am Grabe des Lazarus.

No. 1. Einleitung und Quartett Solo-Quartett

Wo find’ ich ihn, der meiner Augen Licht durch Gottes Macht mir wiedergab?

Wo find’ ich ihn, der mir den Sohn erhielt, da schon geöffnet war sein Grab?

Wo find’ ich ihn, der die verdorrte Hand am Sabbat mir gesund gemacht?

Wo find’ ich ihn, der mich vom bösen Geist befreit und Frieden mir gebracht?

Er, den ihr suchet, er ist hier!
der uns den Freund aus Grabes Nacht
erwecket hat mit großer Macht,
er, den ihr suchet, er ist hier!

No. 2. Choral

Gegrüßt sei Fürst des Lebens,
gegrüßt du Siegesheld!
Dem selbst der Tod vergebens
den Raub verborgen hält,
der du des Grabes Pforten
allmächtig aufgethan,
vergönn’, o Herr, mit Worten
des Dankes dir zu nah’n.

No. 3. Rezitativ und Arioso Sopran

Da nun Jesus war zu Bethanien, im Hause Simonis, da Lazarus war, trat Maria zu Jesu, die Schwester des Lazarus, die hatte ein Glas mit köstlichem Wasser, und goss es auf sein Haupt, da er zu Tische saß:

Jesu, treuster Seelenfreund,
der du voll barmen mit mir Armen
um den Bruder hast geweint;
nimm’, ach nimm’ des Herzens Gabe
gnädig an von deiner Magd.

Lass mich salben deine Füße,
teurer Meister Israels,
mit der Kraft und mit der Süße
des geweihten Narden-Öls.

Wie mein Herz in Dank zerfließe,
stelle dir dies Opfer dar:
lass mich salben deine Füße,
willig trocknet sie mein Haar.

Lass mich salben deine Füße,
teurer Meister Israels,
mit der Kraft und mit der Süße
des geweihten Narden-Öls.

No. 4. Rezitativ und Terzett Bass; Tenor, Bass 1 und 2

Da das Judas sahe, wurde er unwillig und sprach:
Wozu doch dient die Verschwendung? Des Narden-Öls köstlicher Wohlgeruch verdustet umsonst hier im Hause, warum nicht lieber den Balsam verkauft um dreihundert Groschen, und das Geld den Armen gegeben? Wozu doch dient die Verschwendung?

Wozu doch dient die Verschwendung?
Des Narden-Öls köstlicher Wohlgeruch verdustet umsonst hier im Hause.
Wozu?

No. 5. Rezitativ Bass

Da sprach Jesus:
Lasset Maria mit Frieden, solches hat sie behalten, zum Tage meiner Begräbnis; denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.
Wahrlich, ich sage euch, wo dies Evangelium geprediget wird in der ganzen Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnis was sie gethan hat.

No. 6. Choral

O du Zuflucht der Elenden!
wer hat nicht aus deinen Händen,
Segen, Hülf und Heil genommen
der gebeugt zu dir gekommen,

O lass deine Liebe decken,
meiner Sünden Meng’ und Flecken,
heil’ge meines Herzens Triebe,
salbe sie mit deiner Liebe.

No. 7. Larghetto con moto

Einsetzung den heiligen Abendmahls zu Jerusalem.
Das Orchester deutet den Abend an.

No. 8. Duett Petrus (Bass) und Johannes (Alt)

Wie der Herr es uns geheißen, haben wir das Osterlamm bereitet, und gegürtet zu dem Passahmahle, harren wir der Ankunft unsres Meisters in dem weiten lampenhellen Saale.

Mit dem Blute des Lammes sind besprenget die Pfosten des Hauses zum Gedächtnis der Hülfe des Herrn, denn das Zeichen des Blutes hat Israels Vater bewahrt vor dem Fuß des Verderbers. Er, der alle Erstgeburt erschlagen, da wir in Egyptens Diensthaus saßen, ging an uns, an Israel vorüber.

No. 9. Chor der Apostel (Psalm 113, 1–3)

Lobet ihr Knechte des Herrn,
lobet den Namen des Herrn
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des Herrn.

No. 10. Rezitativ Bass, Jünger und Chor der Jünger (Psalm 116, 3–4)

Und Jesus sprach:
Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide.
Doch wahrlich ich sage euch: einer unter euch, der mit mir isset, sird mich verraten.

Herr, bin ich’s? Herr, wer ist’s?

Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm geschrieben stehet, doch wehe dem Menschen, der da verrät des Menschen Sohn, es wäre demselbigen Menschen besser, dass er nie geboren wäre.
Da antwortete Judas, der ihn verriet: Bin ich es, Rabbi?
Jesus sprach: Du sagst es! Was du tust, das tue bald.

Stricke des Todes hatten mich umfangen
und Angst der Hölle hatte mich getroffen,
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des Herrn:
Herr, errette meine Seele.

No. 11. Rezitativ Bass und Choral

Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankete und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach:
Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches tut zu meinem Gedächtnis.

Für uns bricht er voll Huld
das Brot zum ew’gen Leben,
für uns und unsre Schuld
will er den Leib hingeben.

Und er nahm den Kelch und dankete, gab ihnen den und sprach:
Trinket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Uns reicht er dar den Wein,
den Kelch mit seinem Blut,
uns spricht er sündenrein,
o welche Liebesglut.

No. 12. Schlusschor des ersten Teils (Psalm 113, 1; 116, 8; 117)

Lobet ihr Knechte des Herrn,
lobet den Namen des Herrn,
denn du hast meine Seele aus dem Tode gerissen,
mein Auge von den Thränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Lobet den Herrn alle Heiden, preiset ihn alle Völker,
denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit.
Amen.

Zweiter Teil

Gefangennehmung (Im Garten zu Gethsemane)

No. 13. Chor und Rezitativ Bass

Chor der hohenpriesterlichen Diener
Auf, mit Schwertern, Speer und Stangen
folgt dem Judas durch die Nacht,
seinen Herrn gibt er gefangen.
Hoch die Fackeln, habet acht.

Alsbald trat Judas zu Jesus und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi.
Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst du des Menschen Sohn mit einem Kuß?

Dieser ist es, bindet ihn.

Da ging Jesus zu ihnen hinaus und sprach: Wen suchet ihr?

Jesum von Nazareth.

Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin’s, wichen sie zurück und fielen zu Boden.
Da fragte er sie abermals: Wen suchet ihr?

Jesum von Nazareth.

Jesus sprach: Ich hab’ es euch gesagt, daß ich es sei, sucht ihr denn mich, so lasset diese gehen.
Da zog Petrus sein Schwert und schlug nach des Hohenpriesters Knecht.
Jesus sprach: Stecke dein Schwert in die Scheide, soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat, oder meinest du, dass ich nicht könnte meinen Vater bitten, dass er mir sendete mehr denn zwölf Legionen Engel?
Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muss also geschehen.

Chor der Kriegsknechte
Sind das eines Menschen Worte?
Er ist ein Gott, laßt uns entfliehn.
Weh uns, wie zur Todespforte
führen zum Palast wir ihn.

Chor der hohenpriesterlichen Diener
Merket nicht auf seine Worte,
schnell ergreift und bindet ihn.
Weg, weg mit ihm von diesem Orte,
das Gericht erwartet ihn.

No. 14. Choral

Wenn alle untreu werden,
so bleib’ ich dir doch treu.
Dass Dankbarkeit auf Erden
nicht ausgestorben sei.

Für mich umfing dich Leiden,
vergingst für mich in Schmerz,
drum geb’ ich dir mit Freuden
auf ewig dieses Herz.

Christus vor Caiphas (Im hohenpriesterlichen Palast)

No. 15. Arie Alt

Heil’ge Nacht, hell von der Liebe Schein,
wo der Meister sprach: „Ihr seid nun rein“,
da gewaschen war der Jünger Füße!
Was der Schmerz um Undank und Verrat,
was die Hoffnung auf der Liebe Saat,
was der Glaube nur Erhabnes hat,
lag vereint in seines Mundes Süße.
Heil’ge Nacht, nein, grauenvolle Nacht.
Ihn, der dich zur herrlichsten gemacht,
lässest du verleugnen und verraten.

No. 16. Rezitativ und Duett Sopran; Sopran und Tenor

Da traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen:

Wir haben’s gehört, dass er gesaget hat:
ich will den Tempel abbrechen, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen einen anderen bauen, der nicht mit Händen gemacht sei.

No. 17. Rezitativ Bass

Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm:
Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen?
Aber Jesus schwieg stille.
Da fragte Caiphas ihn abermals und sprach:

No. 18. Rezitativ Bass und Chor der Hohenpriester

Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagest, ob du seist Christus, der Sohn des Hochgelobten?
Jesus sprach:
Ich bin’s. Von nun an wird’s geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels.
Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach:
Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir weiter Zeugnis? Siehe! Jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehöret! Was dünket euch?

Er ist des Todes schuldig.

Da das hörete Judas, sprach er:
Ich habe übel getan, dass ich unschuldig Blut verraten habe, nehmet zurück die dreißig Silberlinge!

Was gehet uns das an, da siehe du zu.

No. 19. Arie Judas (Bass)

Weh’ mir, wohin soll ich entfliehn?
Wer rettet mich, wer rettet ihn,
den ich verriet mit einem Kuss.
Weh’ mir, ich habe übel getan,
dass ich unschuldig Blut verraten habe.
Des Todes Stricke haben mich umfangen,
und Angst der Hölle hat mich nun getroffen,
ich bin in Jammer und Not.
Zu spät seh’ ich des Abgrunds Pforten offen,
den Herrn und Meister, ihn gab ich gefangen.
Ich bin in Jammer und Not.
Meine Behausung wird wüste werden,
und das Verderben mein Erbteil sein.
Unstät und flüchtig bin ich auf Erden,
und es verfolgen mich Jammer und Pein.
Ihn, dessen Brot ich aß, trat ich mit Füßen,
o Sünde ohne Maß nie abzubüßen.
Weh’ mir, ich habe übel getan,
dass ich unschuldig Blut verraten habe.

No. 20. Choral

Ach bleib mit deiner Gnade
bei uns Herr, Jesu Christ,
daß uns hinfort nicht schade,
des bösen Feindes List.

Christus vor Pilatus

No. 21. Rezitativ Pilatus (Tenor), Christus (Bass)

Pilatus ging hinein in das Richthaus und rief Jesum und sprach zu ihm:
Bist du der Juden König?

Jesus antwortete:
Redest du das aus dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt?

Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan?

Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde, aber nun ist mein Reich nicht von dannen.

So bist du dennoch ein König?

Du sagest es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, dass ich die Wahrheit zeugen soll.
Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.

Was ist Wahrheit?

No. 22. Rezitativ und Arie Sopran

Da aber Pilatus auf dem Richtstuhle saß schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen:
Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heut’ viel erlitten im Traum von seinetwegen.

Lass, o Pilatus, dich erbitten,
leih’ nicht der Bosheit deine Hand,
ich habe viel um ihn gelitten,
den wunderbar ich nun erkannt.
In voriger Nacht hat ein Traumgesicht mich zittern gemacht, o richte nicht. Die Erde erbebte, die Sonne ward schwarz, der Mond wie Blut; die Sterne fielen vom Himmel, wie von großen Winde bewegt, des Feigenbaums unreife Früchte, die Berge wichen aus ihrer Stelle. Du aber verbargest dich vor dem Zorne des Himmels in den Höhlen der Felsen, du aber rangest mit Angst und Verzweiflung, als wärest du schuldig der entsetzlichsten Tat.
Lass, o Pilatus, dich erbitten,
leih’ nicht der Bosheit deine Hand,
ich habe viel um ihn gelitten,
den wunderbar ich nun erkannt,
er ist gerecht, o richte nicht,
für den des Himmels Stimme spricht.

No. 23. Rezitativ Pilatus (Tenor) und Chor der Juden

Ihr Kinder Israels, ich finde keine Schuld an ihm.
Ihr habt aber eine Gewohnheit, dass ich euch einen auf Ostern losgebe. Soll ich euch losgeben der Juden König?

Nicht diesen, sondern Barrabam.

Was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt ist, er sei Christus?

No. 24. Chor der Juden und Rezitativ Pilatus (Tenor)

Lass ihn kreuzigen.

Nun denn, ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu!

No. 25. Chor der Juden

Sein Blut komme über uns und unsre Kinder.

No. 26. Arie Alt

Ach seht, der allen wohlgethan,
er leidet Schmach, er wird verhöhnet,
man legt ein Purpurkleid ihm an;
man hat mit Dornen ihn gekrönet.

Man speiet ihm ins Angesicht;
man geißelt ihn mit scharfen Ruten,
o Israel, erbebst du nicht
vor deines Gottes Zornes Fluten?

Ach seht, der allen wohlgethan,
er leidet Schmach, er wird verhöhnet,
man legt ein Purpurkleid ihm an,
man hat mit Dornen ihn gekrönet!

No. 27. Rezitativ Pilatus (Tenor), Chor und Choral

Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, dass ihr erkennet, dass ich keine Schuld an ihm finde. Seht, welch ein Mensch.

Ans Kreuz mit ihm.

So nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn. Ich finde keine Schuld an ihm.

Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
der Welt und ihrer Kinder,
es geht und büßet mit Geduld
die Sünden aller Sünder.
Es geht dahin, wird matt und krank,
es giebt sich auf die Würgebank,
entzieht sich aller Freuden,
es nimmt an sich Schmach, Hohn und Spott,
Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod,
und spricht: ich will’s gern leiden.

Dritter Teil

Kreuztragung (Auf dem Weg zur Schädelstätte)

No. 28. Solo Tenor und Chor (Joh. 19, 16–17)

O, welch ein Anblick. Auf den wunden Schultern trägt er das schwere Kreuz den Berg hinan.
Mit Blut vermischt, rinnt ihm der Schweiß vom Haupte, und ach, erdrückt von Schmerzen sinkt er hin.
Er sieht sich um, ob keiner sich erbarme und hülfreich ihm die Hand entgegen strecke;
doch rings umwogt von seiner Feinde Menge,
späht nur umsonst sein brechend Aug umher.
O haltet ein, ihr Unbarmherzigen.
Ihr seht, es unterliegt der Last des Kreuzes
sein heil’ger Leib, den ihr verwundet habt.

No. 29. Chor und Arie Tenor

Chor der hohenpriesterlichen Diener
Hört den Simon von Kyrene, trag er selbst das Kreuz ihm nach.

Volk
Ja zwinget ihn, der das Wort ihm sprach,>
er selber trage das Kreuz ihm nach.

Ihm, der allen Gnad’ erwiesen,
ihm, der allen hülfreich war,
ihm, dem tausend Thränen fließen,
ihm, dem Retter in Gefahr:
diesem König ohnegleichen
trag’ ich gern das Marterholz;
ladet eures Undanks Zeichen
mir denn auf, es sei mein Stolz!

No. 30. Chor der Zionstöchter

Fließet, ihr unaufhaltsamen Thränen
in Strömen zur Erde hin.
Lasset den Klagegesang ertönen,
Töchter aus Zion, beweinet ihn.
Ach, ans Kreuz wird er gebracht,
der die Blinden wieder sehend
und die Lahmen wieder gehend
und die Kranken heilgemacht.
Er, aus dessen reinen Händen
Balsam fließ auf die Elenden.

No. 31. Rezitativ Bass

Jesus aber wandte sich um und sprach zu ihnen:
Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder. Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben, dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: fallet über uns, und zu den Hügeln: decket uns. Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden!

Kreuzigung (Auf Golgatha)

No. 32. Terzett (Johannes, Jakobus, Petrus)

Den wir jüngst auf Tabors Höhen
im Verklärungsglanz gesehen,
den als König sie empfangen,
er muss nun vom Volk verhöhnt,
dass mit Dornen ihn gekrönt,
an dem Holz des Fluches hangen.
Denn sie riefen: kreuzigt ihn,
die zuvor Hosanna schrien,
da sie jauchzend ihn umgaben,
und hernieder trieft sein Blut,
weil der argen Feinde Wut,
Händ’ und Füße ihm durchgraben!

No. 33. Quartett Rezitativ a 4

Die Pharisäer
Pilatus, du hast auf’s Kreuz geschrieben:
Jesus von Nazareth, der Juden König.
Schreibe nicht der Juden König, sondern dass er gesaget habe: ich bin der Juden König.

No. 34. Pilatus Tenor

Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

No. 35. Chor des Volks

Der du den Tempel Gottes zerbrichst, und bauest ihn wieder in dreien Tagen, wie fein zerbrichst du ihn nun!
Bist du Gottes Sohn, so hilf dir selber und steige herab vom Kreuz.
Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen.
Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, so wollen wir ihm glauben.
Er hat Gott vertraut, und der erlöse ihn nun, lüstet es ihn, denn er hat gesagt: ich bin Gottes Sohn!

No. 36. Rezitativ und Duett Christus (Bass), zwei Übeltäter (Tenor)

Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Aber der Übelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach:
Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns!
Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach:
Und du fürchtetst dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist, und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfahn, was unsre Taten wert sind, dieser aber hat nichts Sträfliches getan.
Und er sprach zu Jesus:
Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!

Und Jesus sprach zu ihm:
Wahrlich, ich sage dir, du wirst noch heute mit mir im Paradiese sein.

No. 37. Choral

Seht die Mutter bang und klagend,
seufzend, weinend und verzagend
unterm Kreuz des Sohnes stehn.
Mit zerriss’nem Mutterherzen
fühlt sie nun das Schwert der Schmerzen
tief durch ihre Seele gehn.

No. 38. Rezitativ Bass

Jesus aber spricht zu seiner Mutter:
„Weib, siehe, das ist dein Sohn!“
Und zu dem Jünger, den er lieb hatte:
„Siehe, das ist deine Mutter!“

No. 39. Chor der Jünger des Herrn und Rezitativ Bass

Finsternis bedeckt das Land,
wahrlich, das ist Gottes Hand,
Nacht und Schrecken der Verdammnis
lagern sich ums Kreuz des Herrn,
und in dieser düstern Stunde
sind ihm Trost und Hülfe fern!

Un um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach:
Mein Gott! Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

No. 40. Arie Maria Magdalena (Sopran) und Frauenchor (Die Töchter von Zion)

Sein Auge, das mich angeblickt voll Gnaden,
sein mitleidsvolles Auge bricht.
Von Blut entstellt, von Schmerzen überladen
ist des Erbarmers Angesicht!
Verschmachten muss, der Heil gebracht und Leben,
und niemand eilt, Erquickung ihm zu geben.

Verschmachten muss, der Heil gebracht und Leben,
und niemand eilt, Erquickung ihm zu geben.

No. 41. Rezitativ Bass und Choral

Darnach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er:
„Mich dürstet“.

Großer Friedefürst,
wie hast du gedürst’t
nach der Menschen Heil und Leben
und dich in den Tod gegeben,
wie du rief’st: „mich dürst’t“,
großer Friedefürst.

No. 42. Rezitativ Alt, Jesus (Bass)

Einen Schwamm mit Essig füllet einer nun von seinen Mördern, und gelegt um einen Ysop, hält er es ihm spottend hin.

Da nun Jesus den Essig genommen hatte, rief er:
„Es ist vollbracht. Vater, in deine Hände befehl ich meinen Geist“.
Und als er das gesagt, verschied er.

No. 43. Chor, Der Hauptmann der Kriegsknechte (Bass)

Des Tempels Vorhang ist zerrissen,
der Gnadenthron, er ist enthüllt,
dass auch die Steine reden müssen,
das Wort der Schrift, es ist erfüllt,
die Erde bebt, die Felsen krachen,
auf tun sich die Gräber, die Toten erwachen.

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.

Chor der auferstandenen Heiligen
Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob von Ewigkeit zu Ewigkeit!

(Grablegung im Garten des Josef zu Arimathia)

No. 44. Duett Joseph von Arimathia (Tenor) und Nicodemus (Bass)

Mein eigen Grab will ich ihm weihen,
drin niemand je geleget war.
Den süßen Duft der Spezereien
bringt ihm mein trauernd Herze dar.
Wir hüllen deines Geistes Hülle
mit Schmerzen nun in Linnen ein
und senken weinend sie und stille
wie heil’ge Saat in’s Grab hinein.
So ruhe denn und schlaf in Frieden,
du Fels des Heils im Felsen hier.
Ein Dornenkranz ward dir hienieden,
dort bringen Engel Palmen dir.

No. 45. Chor der Zionstöchter

Einst lagst du auch gehüllt in weiße Linnen,
als man zum Bett das Kripplein dir gemacht,
da haben dir die Kön’ge von Arabien
Weihrauch und Gold und Myrrhen dargebracht.

Jetzt fandest du, gehüllt in weiße Linnen,
ein Ruhebett in stiller Grabesnacht,
und Liebe hat dir, König aller Könige,
die Spezerein Arabiens darbracht.

No. 46. Schlusschor

Es wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich,
wenn aber das Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche,
und das Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit,
dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben steht:
Der Tod ist verschlungen in den Sieg,
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herren Jesum Christum.
Amen.